Wasserfrösche im Siedlungsraum

Wasserfrösche im Siedlungsraum

Was wären laue Sommerabende ohne das Gezirpe von Heuschrecken und Grillen? Wahrscheinlich ähnlich trist, wie wenn die Wasserfrösche verstummten.

Durch rege Hybridisierung der drei in unseren Breitengraden vorkommenden Grünfrosch-Arten, nämlich dem eingeschleppten Seefrosch (Pelophylax ridibundus, Syn.: Rana ridibunda), dem Teichfrosch (Pelophylax kl. esculentus Syn.: Rana esculenta) und dem Kleinen Wasserfrosch (Pelophylax lessonae Syn.: Rana lessonae), entstand aufgrund der Schwierigkeit, diese genetisch zuzuordnen der Wasserfrosch-Komplex, welcher alle Arten und deren Hybriden zusammenfasst. Manche Wissenschaftler sehen den Teichfrosch (Pelophylax esculentus) gar als eine Hybridform zwischen dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch. Es sind sie, die für sommerliche Quakkonzerte verantwortlich sind.

Lebensraum und Lebensweise

Im Gegensatz zu den Braunfröschen bleiben Wasserfrösche, mit gelegentlicher Ausnahme von Jungtieren des Kleinen Wasserfroschs (Pelophylax lessonae) auch ausserhalb der Paarungszeit im oder in unmittelbarer Nähe des Gewässers, meistens überwintern sie sogar an dessen Grund. Falls die Schlammschicht ausreichend Substanz bietet und der Frost nicht bis in die Tiefen vordringt, überstehen sie hier auch sehr strenge Winter. Aber auch in der Nähe von Gewässern, z.B. im Laubhaufen, der Trockenmauer oder der Abbruchkante in Gewässernähe, können Wasserfrösche ihre Winterruhe abhalten.

Gut getarnt! © Sebastian Wagener
Die seitlichen Schallblasen der Männchen sind charakteristisch für die Wasserfrösche (Pelophylax). Von Mai – Juli ertönen die lautstarken Paarungsrufe zur Anlockung der Weibchen. Ausserhalb der Paarungszeit, benützen die Männchen Revierrufe zur Abgrenzung der Territorien gegenüber Rivalen. Bildquelle: Entomologie/Botanik, ETH Zürich / Fotograf: Albert Krebs 

Sie besiedeln die unterschiedlichsten Gewässer. Darunter Seen mit vegetationsreichen Uferzonen und Schwimmblattvegetation (See -und Teichrosen), Teiche, temporäre Tümpel, Gräben, Flussauen, langsam fliessende Bäche und sogar Brackwasser in Flussdeltas. Was sie nicht mögen, sind schattige und kühle Gewässer, zudem beschränkt sich ihre Verbreitung grösstenteils auf das Flachland.

Naturnaher Teich bei der ETH Zürich, Hönggerberg. © Sebastian Wagener
Auch hier am sonnigen Waldrand leben Wasserfrösche (Pelophylax), Auhölzli ZH. © Sebastian Wagener
Lebensraum des seltenen Kleinen Wasserfroschs (Pelophylax lessonae). Überbleibsel eines Flachmoors in der Nähe der Katzenseen ZH,
mit temporärerer Wasserfläche. © Sebastian Wagener
Ein stilles Fliessgewässer bietet Lebensraum, Binzmühlebach ZH. © Sebastian Wagener

Auch der Siedlungsraum gilt als Lebensraum der Wasserfrösche. Hier sind sie überhaupt nicht wählerisch und man findet sie in Kanälen, Retentionsbecken, Baustellentümpeln und darüber hinaus besiedeln sie auch gerne Feuchtbiotope in Hausgärten.

Retentionsbecken inmitten einer Wohnsiedlung. Hier tummeln sich Wasserfrösche. © Sebastian Wagener

Beim anlegen eines Feuchtbiotops im Hausgarten, sollten in der Nähe auch mehrere unabhängige Kleinstgewässer geschaffen werden. Diese dienen den Jungtieren als Kinderstube. Denn Kannibalismus ist bei Wasserfröschen allgegenwertig.

Laichballen , Seefrosch (Pelophylax ridibundus). Bilquelle: Radoslaw ZiomberMarsh Frog SpawnCC BY-SA 3.0
Kaulquappe vom Seefrosch (Pelophylax ridibundus) kurz vor der Metamorphose zum juvenilen Tier. Bildquelle: ВальдимарPelophylax ridibundus3CC BY-SA 3.0
Juveniler Kleiner Wasserfrosch (Pelophylax lessonae). © Sebastian Wagener

Wasserfrösche legen Wert auf Blumen

Natürlich nicht wie wir Menschen (wer weiss)! Vielmehr schätzen sie Blutweiderich, Storchschnabel, Ehrenpreis, Wolfstrapp und Wasser-Minze deshalb, weil diese Gewächse Bestäuber anlocken, die ihnen als Nahrung dienen. Denn wie bei Vögeln, gehören Insekten zur bevorzugten Beute von Wasserfröschen. Ob Hornissen, Fliegen, Käfer, Libellen oder Schmetterlinge, sie verputzen beinahe jede Insektenart und sind auch nicht davor abgeneigt, eigene Jungtiere zu verspeisen. Ausgewachsene Seefrösche (Pelophylax ridibundus) können selbst kleinere Nagetiere, Jungvögel und junge Ringelnattern erbeuten. Zur Jagd und Wanderung legen die gefrässigen Hüpfer sogar beträchtliche Distanzen zurück. Die nahegelegene Wildblumenwiese oder der artenreiche Gehölzsaum kann ihnen als Ausflugsziel dienen. Meistens sind sie jedoch eher faul und gesellig!

Struktur- und artenreiche Wiese als Jagdrevier, Irchelpark ZH. © Sebastian Wagener
Wasserfrösche (Pelophylax) sonnen sich. © Sebastian Wagener
Dieser Wasserfrosch ist definitiv zu früh unterwegs! © Sebastian Wagener

Wer also Wasserfrösche im eigenen Garten und am Gartenteich fördern möchte, braucht nebst dem Gewässer auch passende Pflanzen, die Nahrung und Schutz bieten!

Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre). © Sebastian Wagener
Blutweiderich (Lythrum salicaria). © Sebastian Wagener
Die dichten Rhizome der Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) werden von Wasserfröschen gerne als Versteck und für die Laichablage genutzt. © Sebastian Wagener
Sumpf-Ziest (Stachys palustris). © Sebastian Wagener
Gewöhnlicher Tannenwedel (Hippuris vulgaris). © Sebastian Wagener

Neben den klassischen Blütenpflanzen sind auch diverse Gräserarten (Carex) und Binsengewächse (Juncus) und natürlich Rohrkolben (Typha) zu berücksichtigen. Sie bieten im Uferbereich Schutz vor Frassfeinden.

Wer die Wasserfrösche im Sommer beobachten möchte, soll sich auf leise Sohlen begeben und geduldig sein. Es wird sich lohnen!

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Sebastian Wagener

Gärtner, Pflanzplaner & Berater, Naturmensch, Enfant terrible, Autor

4 Comments

  1. Schöner Beitrag! Ich freue mich mal wieder was über die Förderung von Fröschen zu hören. Beruflich hatte ich in letzter Zeit mehr Anfragen, wie man die Frösche los wird, weil das Quacken störe. Für mich unverständlich, wie man meinen kann, man hat mehr Recht auf Nachtruhe als Frösche auf Leben. Umso mehr freue ich mich, zu merken, dass auch andere sich ab Fröschen freuen!

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