Auch Tulpen können wild sein

Auch Tulpen können wild sein

Wer kennt sie nicht, die farbenfrohen Tulpen, die den Frühling begleiten? Mit ihrem aufrechten Wuchs und den unzähligen Farbvariationen sowie diversen Blütenformen sind sie äusserst beliebte Gartenblumen. Weniger bekannt hingegen sind ihre wilden Vorfahren, die Wild-Tulpen. Aber auch sie bezaubern mit wunderschönen Blüten und interessantem Farbenspiel. Zudem sind sie wichtige Pollenlieferanten für Wildbienen, Hummeln und andere Insekten.

Wild-Tulpen wachsen in ihrer Heimat in Nordafrika, der Türkei und in Mittel- und Zentralasien in Steppen oder an sonnigen Gebirgshängen. Sie sind wahre Sonnenkinder und darben durch Nässe. Sonnige, trockene und durchlässige Standorte wie Steppenbeete bieten den grazilen kleinen Schönheiten mit der zauberhaften Ausstrahlung ideale Bedingungen. Auch im Steingarten in Verbindung mit seinen Polsterstauden kommen Wild-Tulpen ideal zur Geltung. Aus meiner Erfahrung kommen sie aber auch im nährstoffreichen Gartenboden zurecht, solange es keine Staunässe gibt.

Wild-Tulpen verzaubern mit verschiedenen Blattformen und Blütenfarben. Sie bieten einen aussergewöhnlichen Augenschmaus, ohne aufwändig verhätschelt werden zu müssen. Von Anfang März bis Mai gibt’s immer was zu Bestaunen. Aber nicht nur die Blüten der Wild-Tulpen haben ihren besonderen Reiz. Bereits die verschiedenen Formen der haselnussgrossen, hartschaligen Zwiebelchen sind ein Erlebnis. Bevor du die Zwiebeln pflanzt, solltest du dir die Zeit nehmen, sie in der Hand zu spüren. Ertaste die glatte, raue, leicht behaarte Schale und die kleinen Hörnchen an der Spitze der verschiedenen Sorten.

Die Weinberg-Tulpe Tulipa sylvestris an einem Naturstandort am Lajvar Mountain in Iran. Bildquelle: user: Rahiane sHOMAL, FAL, via Wikimedia Commons Wikimedia

Kinder der Sonne und beliebte Frühblüher

Als Frühblüher läuten die Wild-Tulpen die Gartensaison ein. Sie sind deshalb sehr beliebt bei Wildbienen und anderen Insekten. Zudem sind sie kleine Schönheiten. Die beliebten Frühlingsblüher eignen sich hervorragend zum Verwildern als Unterpflanzung oder in Staudenbeeten. Wild-Tulpen wie Tulipa tarda oder die heimische Weinberg-Tulpe Tulipa sylvestris bilden an geeigneten Standorten mit den Jahren sogar immer üppigere Bestände.

Wie auch die Zuchtformen lieben Wild-Tulpen sonnige Standorte. Als Steppenpflanzen brauchen sie einen durchlässigen, leichten Boden und viel Sonne. Entsprechend fühlen sie sich in der Gesellschaft von Gräsern, Artemisia-Arten, Lauch-Arten, Astern, Disteln, wilden Nelken und anderen Steppenpflanzen wohl. Die Zwiebeln benötigen zum Ausreifen sommerliche Trockenheit.

Tulipa clusiana var. chrysantha – Persische Tulpe, Damen-Tulpe

Die Persische Tulpe oder Damen-Tulpe zählt zu den edelsten Wild-Tulpen-Arten. Sie stammt usprünglich aus Bergregionen Persiens und Tibets. Seit längerer Zeit ist sie aber auch an Berghängen in Südeuropa heimisch. Die Damen-Tulpe hat schmal-linealische Blätter und elegante, spitz zulaufende Blüten, die sich im April zeigen. Die Sorte ‚Tubergens Gem‘ ist besonders reichblühend und hat wunderschöne, grosse Blüten, welche innen schwefelgelb sind und an der Aussenseite rote Schattierungen mit violetten Basalflecken zeigen. An trockenen Stellen im Steingarten vermehrt sie sich rasch durch Ausläufer.

Bildquelle links: Ghislain118 http://www.fleurs-des-montagnes.net, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Bildquelle rechts: Ghislain118 http://www.fleurs-des-montagnes.net, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Tulipa sylvestris – Weinberg-Tulpe

Die Weinberg-Tulpe ist ihrem Namen nach seit Jahrhunderten Bestandteil der Weinbergflora. Ansehnliche Bestände gibt es beispielsweise noch im Elsass. Durch den industriellen Weinbau wurde sie jedoch nahezu ausgerottet. Ihr besonderes Kennzeichen sind gelbe glockenförmige, aussen leicht grünliche Blüten mit starkem, köstlich blumigem Duft, die sich im April aus nickenden Knospen an dünnen Stielen entfalten. Sie bildet Ausläufer, ist sehr vermehrungsfreudig und robust. Die Weinberg-Tulpe benötigt offenen, durchlässigen, nährstoffreichen Boden in sonniger, warmer Lage. Sie ist hervorragend für den Steingarten und zum Verwildern vor lichten Gehölzen geeignet.

Bildquelle links: user: BerndH, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 via Wikimedia Commons

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Tulipa tarda – Zwerg-Stern-Tulpe

Die Zwerg-Stern-Tulpe ist eine mehrblütige kleine Wild-Tulpe, die von April bis Mai blüht. An einem kurzen Stängel trägt sie 3 bis 8 duftende weisse Blüten, welche bei Sonne sternförmig geöffnet sind und ihre dottergelbe Mitte zeigen. Tulipa tarda bevorzugt sonnige Standorte und durchlässige, sommertrockene Böden. In weniger sonnigen Lagen werden die Stiele länger. Da sie natürlicherweise an sonnigen, felsigen Hängen lebt, fühlt sie sich in Steingärten besonders wohl. Sie ist sehr robust und reich blühend und besonders zum Verwildern geeignet.

Bildquelle links: Cbaile19, CC0, via Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tulipa_tarda,_Phipps_Conservatory,_2015-03-25,_01.jpg

Bildquelle rechts: Photo by Maja Dumat – flickr.com, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons

Tulipa turkestanica – Gnomen-Tulpe

Die Gnomen-Tulpe ist eine sehr grazile, wunderschöne, schlanke Wild-Tulpe mit graugrünen, schmalen Blättern. An einem Stiel kann sie bis zu 8, oder gar 12 pergamentfarbene, sternförmig geöffneten Blütchen mit goldgelber bis orangegelber Mitte und schwarzen Staubgefässen tragen. Die Aussenseite der Blüten ist zartlila gestreift. Die sehr früh blühende Tulipa turkestanica ist eine sehr attraktive, zierliche und unkomplizierte Wild-Tulpe, die sonnige, durchlässige, sommertrockene Böden braucht. Sie bildet problemlos und durch Verwilderung rasch grössere Bestände.

Bildquellen: @ Isabelle Blum

Tulipa kaufmanniana – Seerosen-Tulpe

Die Seerosen-Tulpe ist im felsigen Bergland Turkmenistans beheimatet. Sie gehört zu den robustesten und auffälligsten Arten, von der es inzwischen etliche Sorten gibt. Ihre oft zweifarbigen Blüten öffnen sich bei Sonne zu leuchtenden Sternen und schliessen sich am Abend wieder. Tulipa kaufmanniana kann lange auf demselben Platz verbleiben, bildet aber nur wenige Brutzwiebeln. Die schöne Sorte ‚Early Harvest‘ blüht als erste von allen und prunkt mit leuchtend roten Blütenblättern, die mit einem schmalen gelben Rand eingefasst sind. Die Seerosen-Tulpe ist für durchlässige, sommertrockene Böden und Steingärten geeignet. Sie kann aber auch in Töpfen gepflanzt werden.

Bildquelle links: Ghislain118 http://www.fleurs-des-montagnes.net, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Bildquelle rechts: Ghislain118 http://www.fleurs-des-montagnes.net, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Tulipa fosteriana – Fosteriana-Tulpe

Die hochwachsende Fosteriana-Tulpe ist eine erlesene Wild-Tulpe, deren Heimat in den Bergen Zentralasiens liegt. Mit ihren grossen Blütenglocken in leuchtenden Farben ist sie eine auffallende Schönheit. Die im April erscheinenden Blüten mit den gerundeten Blütenblättern öffnen sich in der Sonne weit. Inzwischen gibt es viele Gartenformen, die sich sehr gut zum Schnitt eignen. Zu den bekanntesten Sorten gehören die Sorten ‚Purissima‘ (Weisser Kaiser) mit reinweissen Blüten und die gelb blühende ‚Yellow Purissima‘ (Gelber Kaiser). Tulipa fosteriana bevorzugt tiefgründigen Boden und eignet sich gut zum Verwildern.

Bildquelle links: Uğur Başak (User:Ugur Basak), CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Bildquelle rechts: Jerzy Opioła, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Wild-Tulpen selber vermehren

Wild-Tulpen halten es jahrelang am selben Platz aus. Und die Blütenhorste werden von Jahr zu Jahr immer üppiger! Die kleinen Tulpen vermehren sich über Brutzwiebeln und Samen. Die Fruchtstände werden also nicht geschnitten. Erst wenn sie zu dicht werden, sollten sie aufgenommen und geteilt werden. Und im Gegensatz zu den Zuchtformen muss man die Zwiebeln von Wild-Tulpen nicht aus dem Boden nehmen.

Bildquelle links: @ Isabelle Blum

Bildquelle rechts: Roger Culos, Muséum de Toulouse, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Wild-Tulpen kannst du deshalb auch aussäen. Dazu erntest du im Sommer die reifen Kapseln, lagerst sie trocken und säst die Samen im Herbst flach in Tontöpfe mit einem 1:1-Gemisch aus Sand und Anzuchterde aus. Danach setzt du die Töpfe in ein Frühbeet und senkst sie leicht ein. Die ersten Samen keimen dann im Spätwinter. Die Jungpflanzen belässt du bis zum Herbst des folgenden Jahres in den Töpfen und versorgst sie falls nötig mit biologischem Flüssigdünger (z.B. Brennnesselsud). Ab September kannst du die kleinen Zwiebeln dann ins Beet umsetzen, wo sie nach weiteren zwei Jahren zum ersten Mal blühen. Da Tulpen sich leicht untereinander kreuzen, bergen die Ergebnisse kleine Überraschungen.

Wild-Tulpen lassen sich auch gut in Blumentöpfen und Kübeln kultivieren. Wichtig ist, dass die Gefässe gut dräniert und tief genug sind. Bohre bei Bedarf weitere Abzugslöcher und fülle die Töpfe oder Gefässe mit einem 1:1 Gemisch aus Blumenerde, Sand und Blähton. Beim Bepflanzen im Herbst kannst du die Zwiebeln gut in zwei bis drei Lagen übereinandersetzen. So passen viel mehr Pflanzen hinein und die Blüte wirkt im Frühling viel üppiger.

Bezugsquellen

Titelbild: @ Isabelle Blum

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Isabelle Blum

Ausgebildete Umweltnaturwissenschaftlerin ETH und autodidaktische Gärtnerin mit einer grossen Liebe zur Natur, ihrer Vielfalt und Eigensinnigkeit

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