Igelhafte Klettfrüchte und facettenreiche Blüten

Igelhafte Klettfrüchte und facettenreiche Blüten

„ Eine Zunge so rau und schmal wie die des Hundes“

Wie viele andere Raublattgewächse (Boraginaceae), glänzt auch die Gewöhnliche Hundszunge (Cynoglossum officinale) mit ökologischem Wert und Eigenschaften, welche sie als Gartenpflanze prädestinieren. Ähnlich wie bei diversen Lungenkraut-Arten (Pulmonaria), die während ihrer Blütezeit ebenso einen Farbverlauf vorweisen, sind die Blüten bei der Gewöhnlichen Hundszunge zuerst dunkelviolett und später braunrot gefärbt. Obendrein fallen einem beim genaueren Hinsehen geäderte Kronblätter auf. Schlichtweg fabelhaft und facettenreich!

Was die Vermehrung betrifft, ist die Art unglaublich genügsam. Die „igeligen“ Klettfrüchte keimen bereits bei Temperaturen knapp über 10° und dies schon nach wenigen Tagen. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass es sich um einen Dunkelkeimer handelt. D.h., die Samen sollten ordentlich mit Erde abgedeckt werden. Im späteren Keimlingsstadium halten Jungpflanzen sogar längeren Frostperioden stand und wachsen munter weiter, sobald die Temperaturen steigen.

Durch die enorme Klettwirkung der Saat, sind zum grössten Teil Mensch und Tier für die Verbreitung verantwortlich. Im natürlichen Verbreitungsgebiet geschieht dies in erster Linie durch Kaninchen. Die widerhakig-stacheligen Früchte wirken, als wären sie mit Sekundenkleber behandelt. Ein wahres Erlebnis für den Tastsinn.

Um an den Nektar der Gewöhnlichen Hundszunge zu gelangen, bedarf es eines langen Rüssels. Dementsprechend sind es in erster Linie Wildbienen- und Falterarten, welche dieses königliche Elixier zu kosten vermögen.

Die Gewöhnliche Hundszunge ist eine zweijährige Art und zudem ein Sonnenkind. Wird knapp 60 cm hoch, bevorzugt trockene sowie nährstoffreiche Böden und mit ihrer Blütezeit von Mai bis Juli begrüsst sie den Sommer.

Welch ein Farbspektrum indem sich die Gewöhnliche Hundszunge zeigt! Bilduelle: wikimedia

Man findet die Art hauptsächlich auf trockenwarmen Ruderalfluren (Onopordion). Dort vergesellschaftet sie sich gerne mit der Nickenden Distel (Carduus nutans), Gewöhnlicher Eselsdistel (Onopordum acanthium), Grossblütiger Königskerze (Verbascum densiflorum) und Echter Ochsenzunge (Anchusa officinalis). Eine bunte und formenreiche Gesellschaft, welche sich auch im Garten gut macht.

Die Nickende Distel (Carduus nutans) gepaart mit der Gewöhnlichen Hundszunge (Cynoglossum officinale)? Bildquelle: Sebastian Wagener

Es wird allmählich Zeit, sich diese unbekannte Wilde in den Garten zu holen!

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Sebastian Wagener

Gärtner, Pflanzplaner & Berater, Naturmensch, Enfant terrible, Autor

2 Comments

    • Besten Dank, Stefanie. Ich kann nicht anders als mein Wissen zu teilen. Ich danke dir von Herzen, dass du dein Interesse bekundest.

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